☄️Nordseereise 2020 dritter Tag

Gegen steile Abschnitte hilft nur eines: Noch mehr steile Abschnitte
08.09.2020
Simon Fischer

Der gestrige Tag war bisher der anstrengendste. Ich bin erst sehr spät zum Campingplatz gekommen. Deswegen gibts den Bericht erst heute. Da ich heute mit dem Campingplatz eine ähnliche Situation hab mach ich den Bericht von heute erst morgen früh. Da hab ich viel Zeit, da die nächste Etappe nur 75 km hat.

Ein neuer Tag

Ein neuer Tag
Der Tag begann sehr gut, ich war halbwegs ausgeschlafen und es war schönes Wetter. Zum Frühstück gabs mal wieder Müsli.
Wundervolles Wetter
Die ersten beiden Tage war das Wetter etwas trüb, aber am gestrigen Tag war es einfach wundervoll. Die Sonne schein, es war warm, aber nicht so übermäßig heiß. Los ging es also von Leutesdorf quer durch Bonn, streifend an Köln durch über die Berge nach Hattingen.

Erster Frustmoment

Erschöpft nach steilem Abschnitt
Was ist schlimmer als 5% Steigung mit 40 kg Gepäck? 5% Steigung mit 40 kg Gepäck auf einem Schotterweg. Und das am Rhein entlang.

Erster Einkauf

Einkaufen
Ich hatte nicht unbedingt lust auf jeden Tag Nudeln mit Gemüsebrühe. Also ging ich kurzerhand einmal einkaufen. Ich hatte erstmal die Wahl: Belege ich einen Autoparkplatz oder fünf Fahrradplätze. Ich hab mich dann für den Autoparkplatz entschieden 🙃. Ich hab dann ein bisschen Obst, ein paar Jogurt, eine Packung Milchschnitten und eine Packung gefrorener Hähnchenschnitzel mitgenommen. Das war dann erstmal genug zum Essen.

Umgefallen

Umgefallen
Ich wusste ja, dass das mal passiert. Nun war es soweit. Das abgestellte Fahrrad ist umgekippt. Und wenn so ein stark beladenes Fahrrad mal kippt ist es quasi nicht mehr aufzuhalten. Ich bin dann erstmal mit resignierenden Blicken danebengestanden. Dann hab ich es wieder aufgerichtet. Das war aber verdammt anstrengend. Aber ich hab es dann geschafft. Das soll nicht das letzte mal sein, dass mir das passiert...

Mittag

BurgerKing
Ich konnte nicht widerstehen 😱. Außerdem musste ich aufs Klo, also hatte ich sogar eine Rechtfertiung zum BurgerKing zu gehen 😂. Und ein kleines Päuschen konnte ich auch vertragen. Nachdem ich dann das kleine Menü verspeist hab ging es gestärkt weiter.

Köln

Nach ein paar Kilometern sah ich dann das Ortsschild Köln, ich konnte kaum glauben, dass ich so weit mit dem Fahrrad gefahren bin. Köln ist ja doch ein ganzes Stück von Karlsruhe weg. Da musste ich erstmal kurz anhalten und zwei Fotos machen.

Es geht bergauf

7% Steigung
Nun ist es also soweit, nördlich von Bergisch-Gladbach begann der härteste Teil der Tour. Los gehts mit einer Steigung von 7%. Was mit dem ganzen Gepäck ganz schön anstrengend ist. Ich musste alle 50 Meter ne kleine Pause einlegen. Aber wartet, es geht noch weiter...
8% Steigung
Nachdem ich um die erste Kurve herum bin kam noch ein bisschen mehr Steigung dazu. 8% sind nochmal deutlich anstrengender als 7%. Der Weg zwischen den Pausen wurde also kürzer. Und dann...
9% Steigung
Tja, als ich dachte steiler wirds nicht hat die Straße noch einen drauf gesetzt. 9% ist eigentlich schon über das Limit hinaus was ich so mit Fahrrad und Gepäck schaffe. Ich habe sehr hart gekämpft. Aber mit vielen vielen kleinen Pausen zwischendurch hab ich auch diesen Anstieg gemeistert.

Erster Radbahnweg

Radbahnweg
Nach diesen ganzen Strapazen kam ein richtig schöner Streckenabschnitt. Obgleich es bei diesem auch eine Steigung gab, aber die war recht gleichmäßig ungefähr 1%. Ich vermute die wenigsten wissen was ein Radbahnweg ist. Das ist ein Fahrradweg auf einem alten Gleisbett. Da wo jetzt der Fahrradweg ist fuhr früher also mal ein Zug. Das ein paar große Vorteile: Es gibt keine krassen Steigungen, keine scharfen Kurven und nur recht wenig Kreuzungen. Außerdem werden die Wege gut instand gehalten. Einige Kilometer ging es nun an dem Radbahnweg entlang. Die Strecke wechselte dann zu einem anderen Radbahnweg. Dort ging der Weg sogar durch einen alten Eisenbahntunnel durch, das war schon ein bisschen unheimlich. Zumal es schon dunkel wurde.
Wer mal bock auf ne richtig coole Inlinertour hat, da können wir mal hin. In die andere Richtung sind das nämlich ungefähr 8 km guter Belag mit einem konstanten, leichten Gefälle.

Kampf, Schmerz und Verzweiflung

Steigung
Natürlich ging es dann irgendwann auch wieder etwas steiler den Berg herauf. Wisst ihr, was ich am Bergland gar nicht mag? Berge. Die sind so Bergig. Aber da kann ich wohl nix machen, da muss ich dann durch. Oder wohl eher hoch.
Kein Bock mehr!
Nach der achthundertsiebenundfünfzigsten Steigung hatte ich irgendwann aber keine Lust mehr darauf. Ich war schon total genervt. Vor allem wenn es dann zwischendurch mal wieder bergab ging konnte ich das gar nicht nutzen weil irgendwelche Ampeln oder Kreuzungen im Weg waren und ich dann bremsen musste.
Verzweiflung!!
Irgendwann ging dann nichts mehr. Ich war total verzweifelt und wusste nicht mehr weiter. Ich hab dann erstmal das Fahrrad abgestellt und Pause gemacht. Außerdem musste ich aufs Klo. Also bin ich hinter einen Busch und hab ein bisschen Wasser abgelassen. Dann hatte ich zumindest keinen Druck mehr auf der Blase. Etwas gutes war der fehlende Zeitdruck. Ich hab auf dem Campingplatz angerufen und gesagt, ich schaffe es bis 20 Uhr nicht. Das war die Öffnungszeit des Platzes. “Das ist schlecht.” hat die Dame am Telefon dann gesagt. Aber sie hat mir dann ein Platz beschrieben, bei einem grünen Tor mit einem Fußballtor, wo ich mein Zelt hinstellen konnte. Das war erstmal erleichternd. Dann hab ich eben alle Kraft, und ein bisschen mehr, zusammengenommen und bin weitergefahren. Es war zum Glück nicht mehr so weit. Und es ging dann noch ein ziemlich langes Stück moderat bergab. Ich musste aber immer mal wieder etwas abbremsen da es schon dunkel war.
Die letzte Hürde
Kurz vor dem Campingplatz wurde ich dann nochmal auf die Probe gestellt. Es war ein alter Bahnübergang mit so einem Zick-Zack-Geländer. Das war allerdings so eng, dass ich kaum durchkam. Als ich mich dann durchgekämpft hab ist mir dann in der letzten Kurve das Fahrrad wieder umgefallen. Die Stelle war so blöd, dass ich es gar nicht mehr hochbekommen hab. Ich hab dann die Tasche vom Anhänger heruntergezogen, dann konnte ich das Fahrrad wieder aufstellen. Dann, wer hätte es ahnen können, kam nochmal eine kleine Steigung. Die war aber zum Glück nicht so lang. Und dann hab ich endlich den Campingplatz erreicht, das grüne Tor gefunden und mein Zelt aufgestellt. Das ging erstaunlich gut dafür dass es fast stock dunkel war.

Schnitzel

Zum Abendessen gab es dann ein Minischnitzel mit angebratenen Champion, das war superlecker. Und zum Nachtisch hab ich mir dann noch einen leckeren Obstsalat gemacht. Mjam. Ich hab den Salat genossen und war froh die heutige Etappe geschafft zu haben. Mir machen aber meine Knie etwas sorgen, vor allem das Rechte, das tut etwas weh. Aber bisher sind die Schmerzen nicht stärker geworden. Am nächsten Tag geht es dann weiter.